Hallo ihr Lieben,
nun sind wieder ruckzuck ein paar Wochen vergangen und wir sind bereits mittendrin im Abenteuer Südamerika und möchten euch hier ein weiteres Stück auf unserer Reise mitnehmen. Nach unserer ruhigen Auszeit in den USA ging es für uns vom Seelevel aus weiter nach Quito, der Hauptstadt Ecuadors. Sie liegt in einem dicht bebauten Tal auf 2.850 Metern Höhe. Den Höhenunterschied merkt man direkt, er raubt einem im wahrsten Sinne des Wortes den Atem. Durch die Höhe fällt jeder Atemzug bei Anstrengung schwerer als wir es gewohnt sind. Gefühlt kommt nur die Hälfte des Sauerstoffs in die Lungen, auch wenn man noch so tief einatmet. Doch Quito sollte ein Klacks sein, das würden wir bald noch herausfinden.
Weil uns der Höhenunterschied allein nicht gereicht hat, haben wir uns eine Unterkunft über den Dächern Quitos gesucht, also einen Stadtbezirk, der sich an den Berg anschmiegt. Mit unseren großen Rucksäcken bepackt sind wir hier die Treppen des Todes hochgelaufen. Alle paar Meter mussten wir kurz anhalten, um wieder zu Luft zu kommen. Zum Glück sollte sich das aber in den nächsten Tagen ändern, wenn sich unsere Körper langsam an die Umgebung akklimatisieren. Und für den Ausblick hat es sich auf jeden Fall gelohnt!



Die ersten Tage haben wir die kleine Altstadt erkundet und auch hier wieder einige interessante Infos auf einer Free Walking Tour bekommen. Inklusive einer Verkostung verschiedenster uns unbekannter Früchte auf dem lokalen Markt. Fruchtfans kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten! Von reifen Bananen, Ananas, Äpfeln, Aprikosen, über Cherimoyas, Papayas, jegliche Art von Passionsfrüchten, bis zu Drachenfrüchten, Mangos… Die Liste lässt sich unendlich weiterführen. Franzi ist im Himmel 🙂 Interessanter Fakt abseits von Früchten: Ihr kennt sicherlich alle die perfekten kerzengeraden Rosen, die wir in Deutschland kaufen können? Offiziell werden diese ja aus Holland importiert, ursprünglich kommen sie zum Großteil aber aus Ecuador. Da die Sonne hier am Äquator senkrecht von oben scheint, wachsen sie hier kerzengerade, ganz ohne künstliche Unterstützung. Der lange Transportweg macht sich nur im Preis bemerkbar. In Europa bezahlt man für so eine Rose sicherlich den ein oder anderen Euro, hier kosten sie gerade einmal 20 bis 25 Cent!





Auch sonst ist in Ecuador Vieles günstiger. So bekommt man auf dem Markt ein Frühstück für 3,50 Dollar – für zwei Personen. Das beinhaltet dann einen großen Saft, Kaffee (leider heillos übersüßt), Spiegelei und zwei nennen wir sie mal gefüllte Kartoffelecken. Natürlich haben wir auch anders gefrühstückt, zumal der Kaffee nicht so der Hit war. Eier scheinen jedoch immer ein Hauptbestandteil zu sein. Veganer werden sich hier recht schwer tun, die findet man unter den Einheimischen so gut wie gar nicht. Und auch Vegetarier gibt es hier kaum. Fleisch ist fester Bestandteil der Mahlzeiten, gern auch zum Frühstück in Form von Reis mit Hühnchen. Da kann es schon mal vorkommen, dass man auf die Frage im Restaurant, ob es auch ein vegetarisches Gericht gibt, ein „Nein, tut uns leid“ als Antwort bekommt. Die kulinarische Vielfalt haben wir nach Kanada und den USA sehr genossen. Vor allem die kleinen familienbetriebenen Restaurants (in Ecuador heißen sie Picanterias) waren klasse, wo die Kochtöpfe mit Schmorfleisch im Gastraum stehen.


Eine kleine Umgewöhnung nach Kanada und den USA war nicht nur kulinarischer, sondern auch monetärer Natur. Zwar hat Ecuador den US-Dollar, doch anders als in Nordamerika ist dort Bares der Boss. Hatten wir in Nordamerika fast alles mit Karte bezahlt, akzeptieren in Ecuador fast nur Hotels das Plastikgeld. Und wenn, dann zu Kosten zwischen zwei und zehn Prozent des Betrags, so wie in Deutschland vor langer langer Zeit. Da sind wir auf der Suche nach einem Geldautomaten, der unsere Karten akzeptieren möchte, schon mal eine Dreiviertelstunde durch die Stadt gelaufen und haben einen nach dem anderen ausprobiert. Selbst wenn man dann mit Bargeld zahlt, können Viele an Busbahnhöfen oder auf dem Markt einfach nicht wechseln, weil sie nicht genügend Wechselgeld haben. Da wartet man manchmal ein paar Minuten, bis der Verkäufer von einem Kumpel das Wechselgeld zusammen hat.
Von Quito aus haben wir unsere Reise nach Mindo fortgesetzt, ein kleines Dorf westlich der Hauptstadt, mitten im Nebelwald. Die Landschaft hat uns sofort in ihren Bann gezogen. Überall grüne Wälder, Vogelgezwitscher, Wasserfälle und exotische Pflanzen. Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Besonders gut haben uns die vielen Kolibris gefallen, denen wir einfach stundenlang zuschauen konnten, wie sie ihren langen Schnabel in die für sie bereit gestellten Futterstellen gesteckt haben. Wusstet ihr, dass Kolibris bis zu 110 km/h schnell fliegen und dabei die Richtung beliebig ändern können? Egal ob vorwärts, rückwärts, gerade nach oben oder unten, alles kein Problem für die flinken Vögel. Kein Wunder, dass man sie so schwer mit der Kamera einfangen kann. Aber auch die vielen Schmetterlinge haben uns auf unseren Touren immer begleitet. Highlight war für uns ein Tukan hoch oben in den Baumkronen.














Was für uns Kaffeeliebhaber auf keinen Fall fehlen durfte, war eine Kaffeetour. Hier haben wir den Weg von der Kaffeeblüte bis zum fertigen Produkt kennengelernt und sogar bei jedem Schritt selbst Hand angelegt. Während wir zuhause in Deutschland den Kaffee am liebsten mit Milchschaum trinken, haben wir hier festgestellt, dass uns der Kaffee frisch aufgebrüht am besten schwarz schmeckt. Je nach Röstung schmeckt er süßlich bis kräftig, aber nicht bitter. Mal sehen, ob wir das zuhause übernehmen können und den Kaffee dort dann auch mal lieber schwarz trinken.


Nach dem Nebelwald ging es für uns nach Otavalo. Die langen Busfahrten sind etwas angenehmer, wenn man die wunderschöne Landschaft durchs Fenster beobachten kann. Ständiger Begleiter im Bus sind entweder richtig schlechte Actionfilme mit Ton (beispielsweise The Day After Tomorrow) oder aber laute Lokalmusik. Letztere hören wir zwar sehr gern, nach 1-1,5 Stunden kann das aber irgendwann auch an den Nerven zehren, wenn man sich unterhalten oder zur Abwechslung mal einen Podcast hören möchte.
In Otavalo haben wir ein paar Akklimatisierungstouren gemacht. Ganz ohne ist das mit der Höhe nämlich nicht, wenn man diese wie wir Europäer nicht gewohnt ist. Wer zu schnell in zu hohe Höhen aufsteigt, kann Probleme bekommen. Da sind Kopfschmerzen, Atembeschwerden und Übelkeit wirklich das geringste Problem. Unschön wird’s dann, wenn das Hirn anschwillt oder sich die Lunge mit Wasser füllt. Aber das passiert nur im schlimmsten Fall. Trotzdem wird aus diesem Grund empfohlen, sich langsam an die Höhe zu gewöhnen und nicht direkt auf den höchsten Berg zu steigen, sondern vorher Stück für Stück kleinere Touren zu machen und die Höhe langsam zu steigern, damit sich der Körper an die Umgebung und Belastung gewöhnen kann. Übrigens ist die Höhenkrankheit auch komplett unabhängig vom Fitnesslevel. Der trainierteste Sportler kann Probleme bekommen, Männer wie Frauen, alt wie jung. Wir sind wirklich froh, dass wir gut klargekommen sind! Was gegen die Höhenkrankheit hilft, sind Coca-Blätter, die man entweder für eine Weile kaut oder als Tee zu sich nimmt. In der Form sind sie hier legal und auch nicht gefährlich – das passiert erst, wenn man andere Substanzen dazumischt und das Ganze somit zu Koks verarbeitet.
Für den Anfang hatten wir uns eine Tour um die Laguna Cuicocha ausgesucht. Dort ging es auf bis zu 3.500 Meter. Der Name leitet sich von Cuy ab, dem Meerschweinchen. Die Inseln mitten in der Lagune waren früher einmal voll von den kleinen Tierchen. Und ja, es stimmt – Meerschweinchen sind hier keine Haustiere, sondern gehören auf die Speisekarte. Ein Einheimischer fand es sehr lustig, dass wir Europäer den Nagern Namen geben und sie zuhause halten. Seine Mama gibt ihnen auch Namen: Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag. Erst mal klang es für uns schon etwas befremdlich, dass die Meerschweinchen hier gegessen werden. Allerdings sind das auch nicht die kleinen, niedlichen Tiere, die wir kennen. Sie sind viel größer, vergleichbar mit Kaninchen. Mit Beilage reicht eines normalerweise für ungefähr vier Portionen. Im Endeffekt ist das auch nichts anderes als Hühnchen bei uns. Lenny hatte dieses kulinarische Erlebnis auf seiner Bucket List – ob er noch dazu kommt, erfahrt ihr später 😉






In der Nähe von Otavalo haben wir unseren ersten kleinen Vulkan bestiegen – den Fuya-Fuya. Trotz seiner 4.200 Metern Höhe ist er relativ einfach begehbar, ins Schnaufen sind wir trotzdem gekommen. Auf nur 1,5 Kilometern Weg zum Gipfel macht man 500 Höhenmeter. Die Steigung war teils also üppig, was gepaart mit der Höhe ganz schön viel Energie gekostet hat. Zwar sind auf jeder Höhe in einem Kubikmeter Luft 21 Prozent Sauerstoff enthalten, doch auf 4.000 Metern sind die Atome durch den geringen Luftdruck deutlich dünner verteilt und somit kommt mit jedem Atemzug 40 Prozent weniger Sauerstoff in der Lunge an. Das merkt man bis in die Oberschenkel, die sich beim Aufstieg nach Muskelkater anfühlten. Wir hatten an dem Tag den Berg für uns, weit und breit war kein anderer Mensch zu sehen. Den Gipfel nach dieser kurzen, aber anstrengenden Tour zu erreichen war schon ein tolles Gefühl.




Die Tage über haben wir immer wieder Nachrichten über den Cotopaxi beobachtet. Das ist einer der am häufigsten bestiegenen Vulkane Ecuadors und man sagt, er sei sogar der meistbesuchte Gipfel Südamerikas. Mit seinen 5.897 Metern ist er nicht nur einer der höchsten Vulkane der Erde, sondern dazu auch noch aktiv. Gerade jetzt ist er aus seinem Schlaf erwacht und hat ein bisschen Ströme aus Wasser und Geröll, Gasen und Asche gespuckt. Daher wurde vorerst die Alarmstufe gelb ausgerufen und das Gebiet um den Vulkan gesperrt. Wir hatten gehofft, dass sich die Lage bis zu unserer Weiterfahrt legt, allerdings ist das nur insoweit passiert, dass wir zwar den Nationalpark um den Vulkan besuchen konnten, nicht jedoch auf den Vulkan selber steigen konnten. Zwar bestand keine Gefahr mehr, dass es zu einem Ausbruch kommt, die Gase sind aber trotzdem ungesund und daher sollte man sich lieber davon fern halten. Schade, aber das ist die Natur – da merkt man mal wieder, wie klein wir Menschen eigentlich sind und wie wenig wir gegen Naturgewalten ausrichten können. Zum Glück sollten wir aber später nochmal die Gelegenheit bekommen, einen Vulkan unter unseren Füßen zu spüren. Und auch ohne Vulkanbesteigung hat sich der Besuch des Cotopaxi Nationalparks gelohnt! Die Ausmaße des Vulkans auf sich wirken zu lassen, war auch aus der Ferne etwas ganz Besonderes.




Richtig Glück hatten wir in Latacunga, der Hauptstadt der Region Cotopaxi. Dort feiern die Einwohner jedes Jahr mit einem großen, bunten Umzug die Unabhängigkeit der Stadt und die Mama Negra. Eine Feier der Virgin de la Merced, die um 1742 einen Ausbruch des Vulkans verhindert haben soll. Und wir waren just an dem Tag angereist, wo die Umzüge wie beim Karneval mit verschiedenen Gruppen durch die Stadt gezogen sind. Von Latacunga haben wir den Quilotoa besucht und dort einen weiteren Kratersee umrundet. Durch das auf und ab am Kraterrand über fünf Stunden auf Höhen zwischen 3.700 und 4.000 Metern war es eine der schwersten Touren, die wir in Ecuador unternommen haben. Die Aussicht war die ganze Zeit über jedoch gigantisch.





Unsere letzte Station in Ecuador war Baños (eigentlich Baños de Agua Santa). Der Ort ist aufgrund seines angenehmen Klimas und der vielen möglichen Freizeitaktivitäten wie Rafting, Ziplining, Wandern, heiße Quellen, Dinosaurierpark etc. auch bei den Einheimischen ein beliebtes Ferienziel. Da wir gerade zur Zeit des Día de los Difuntos dort waren, war auch einiges los. Der Día de los Difuntos entspricht unserem Allerheiligen-Feiertag oder dem mexikanischen Día de los Muertos. Traditionell gehen die Familien hier gemeinsam auf den Friedhof und bringen den Verstorbenen Blumen und Essen. Gefeiert wird mit Colada Morada, einem Getränk aus Maismehl und verschiedensten Beeren. Jeder scheint hier sein eigenes Rezept zu haben, die Colada Moradas, die wir probiert haben, hatten jedes Mal einen anderen Geschmack. Zur Colada gibts Guaguas de Pan, das sind kleine Brote in Form von Babies, gefüllt mit Marmelade und verziert mit Zuckerguss. Für uns sind die Guaguas hier zum Brezen-Ersatz am Ziel unserer Wanderungen geworden 🙂 Baños ist auch bekannt für über Holzkohle gegrillte Cuys. Lenny konnte nicht anders, als die landestypische Spezialität einmal zu probieren. Wenn, dann muss man sich auch schon richtig in die Kultur einfühlen. Die Schweinchen stehen seit jeher auf dem Speiseplan, da Großtierhaltung in der kargen Landschaft schwierig ist und Meerschweinchen viel Protein enthält. Wie Hühnchen. Und entfernt erinnert der Geschmack auch daran, ist aber eher mit Wildfleisch vergleichbar. Gut gewürzt waren sie auch, mit viel Koriander. Aber viel Fleisch ist nicht dran an den Tierchen.








Kommen wir zum Highlight unserer Ecuador-Reise: Die Besteigung des Chimborazo! Von Baños aus haben wir eine Tour auf den höchsten Vulkan Ecuadors gemacht. Mit seinen 6.263 Metern ist er der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernte Punkt auf der Erdoberfläche und sogar höher als der Mount Everest. Denn durch die Rotation wird unsere Erde etwas plattgedrückt und am Äquator nach außen getrieben.
Ganz bis zum Gipfel braucht man schon mehrere Tage und am besten auch Gletschererfahrung, für uns war es aber schon ein einmaliges Erlebnis, bis auf 5.100 Meter hochzusteigen. Hier hat es dann sogar geschneit und wir waren froh, unsere Wanderschuhe und eine extra Jacke dabei zu haben. Unser Guide Paúl hat uns den Tag über viel Interessantes über Land und Leute erzählt. Seine Mama ist indigen, daher konnten wir auch einen kleinen Einblick in die ursprünglichen Traditionen und Einstellungen der Landsleute bekommen, Mittagessen mit dem landestypischen Essen Maissuppe, Reis mit Hähnchen und Colada Morada inklusive. Für uns hat sich der Trip wirklich gelohnt und wir sind froh, dass wir die Erfahrung machen konnten. Beim nächsten Mal versuchen wir uns vielleicht doch an der Mehrtagestour bis zum Gipfel.







Leider ist unsere Zeit in Ecuador schon vorbei – das Land war aber der perfekte Startschuss für unsere Südamerika-Route. Wir haben uns hier sehr wohl gefühlt und möchten sehr gern nochmal wiederkommen. Immerhin gibt es noch so viele unentdeckte Ecken und die Menschen waren überaus freundlich und hilfsbereit. Jetzt geht’s für uns aber erst mal weiter nach Costa Rica. Hier erwartet uns „pura vida“, wie die Einheimischen sagen!
Wir schicken viele Grüße in die Heimat!
Franzi & Lenny