Hey ihr Lieben,
nachdem wir Auckland erneut hinter uns gelassen haben, sind wir entlang der Ostküste nach Süden gefahren. Unser erstes Ziel war die Coromandel Peninsula, mit den hier sehr berühmten Hot Water Beaches. Unter einem Teilbereich des Strandes ist tief unter der Erde eine Magmakammer, die den Sandboden erwärmt. Bei Ebbe kann man ein Loch im Sand buddeln, um sich so einen heißen Pool zu schaffen. Wir haben die Ebbe um ein paar Stunden verpasst und hätten warten müssen. War aber nicht so schlimm. Später haben wir erfahren, dass am Strand die Hölle los war und es fast schon Revierkämpfe um ein eigenes Stück Strand gab.
Auf dem Weg gen Süden haben wir Aussichtspunkte, Wälder und Strände angeschaut, um letztendlich in Waihi zu landen. Dort haben wir direkt an einem alten Bahnhof gecampt. Von dort aus konnten wir eine schöne Tageswanderung machen. Vorbei an stillgelegten alten Goldminen und zerfallenen Goldfabriken bis zu einem Wasserfall. Auf dem Rückweg dachten wir uns noch, hmm, langsam wird es richtig schwarz am Himmel, vielleicht sollten wir etwas schneller laufen, damit wir nicht in einen der häufigen Regenschauer kommen. Leider zwecklos, wir sind so triefnass geworden, dass alles an uns geklebt hat. Lenny ist schimpfend, Franzi lachend weitergelaufen. Zum Glück wechselt das Wetter hier einfach so schnell, dass wir bis zum Ziel schon fast wieder von Sonne und Wind getrocknet wurden.
In Waihi haben wir auch eine kleine deutsche Bäckerei gefunden! Da haben wir uns unglaublich auf eine leckere Laugenstange und Abends ein Ciabatta-Brot gefreut 🙂 Richtiges Brot wie in Deutschland gibt’s hier nämlich sonst nicht, das vermissen wir schon ein bisschen. Da das kleine Dorf lange Zeit von der Goldgräberei gelebt hat, kann man auch heute noch eine riesige Goldmine anschauen. Der Krater ist schon gewaltig.
Ein Dorf weiter konnten wir ohne einen Guide oder Sicherheitsanweisungen in kilometerlangen Tunneln laufen, durch die damals auf kleinen Loren das goldhaltige Gestein transportiert wurde. In Deutschland würde man dafür wahrscheinlich erst einmal eine halbe Stunde Einführung von einem „Goldminen-Tunnel-Sicherheits-und Untergrunddunkelheitsnavigationsmanager“ bekommen (der Einfacheit halber auch manchmal „Führer“ genannt). Anschließend würde dann eben dieser eine geführte Tour durch die Tunnel geben. Doch wir konnten dort einfach so reinlaufen. Nur ein Schild am Anfang warnt, doch bitte nur die Tunnel zu betreten, deren Eingang nicht hinter Lianen und Büschen versteckt ist und eine Taschenlampe mitzunehmen 😉
Bei unserer Übernachtung in einem Reservat konnten wir Abends wieder mal Glühwürmchen sehen, die den Weg neben einem kleinen Fluss im Dunkeln gesäumt und hell erleuchtet haben 🙂
Weiter ging die Fahrt nach Tauranga, wo wir auf den Mount Maunganui gelaufen sind. Zusammen mit vielen anderen Touris und schwitzenden, oberkörperfreien Joggern. Scheint wohl ein Trend zu sein, seinen Körper hier zu präsentieren und hoch und runter zu rennen 😛
Ein paar Kilometer von Tauranga, in Matamata, konnten wir uns dann einen weiteren Wunsch erfüllen und haben „DEN“ Drehort von „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ besichtigt: Hobbiton. Das komplette Hobbit-Dorf wurde für den „Herr der Ringe“ aufgebaut und sollte danach wieder abgerissen werden, da der Regisseur Peter Jackson die Rechte daran nur für den Dreh hatte. Außerdem war das Dorf nur aus einfachem, nicht haltbaren Material gebaut. Vor dem Abriss zerstörte ein Sturm fast das gesamte Dorf. Danach fiel die Entscheidung, alles für die kommenden Hobbitfilme 1:1 nachzubauen. Diesmal wurde auch dauerhaftes Material wie Steine genutzt, um das Dorf lange Zeit erhalten zu können. Man ließ sogar ein paar weitere Hobbitlöcher entstehen. Auch darum, weil man gemerkt hat, dass viele Fans den original Filmschauplatz sehen wollten und dafür Eintritt bezahlen 😉 Schon ein witziges Gefühl, wenn man durch Hobbiton läuft und bedenkt, dass Peter Jackson, Elijah Wood, Sir Ian McKellen, Martin Freeman und viele weitere bekannte Persönlichkeiten genau dieselben Pfade entlang getapst sind. Zu geschäftigen Zeiten waren dort bis zu 700 Menschen am werkeln, drehen, Anweisungen geben und ausführen. Unser Guide hat uns auch ein paar lustige Details und Hintergründe zum Dreh gegeben. Z.B. gibt es neben den Hobbit-Höhlen Wäscheleinen. Damit diese authentisch wirken, hat Peter Jackson über Tage lang immer wieder Leute durchs Gras zu den Leinen laufen lassen, damit ein Pfad entsteht und es so aussieht, als ob hier wirklich Hobbits Wäsche aufhängen. Eine weitere Steigerung in die Detailverliebtheit: Die Bücher beschreiben, dass Hobbits unter Pflaumenbäumen leben. Diese sind in Wahrheit aber zu groß, als dass Hobbits an die Pflaumen heran kämen. So wurden kleine Apfelbäume gepflanzt. Die Apfelbäume wurden zu Drehbeginn von ihren Äpfeln und Blättern befreit und mit Pflaumen und Pflaumenblättern bestückt.
Die Steigerung der Steigerung: Der Baum auf dem „Haus“ von Bilbo Beutlin ist zu 100% künstlich. Jedes einzelne der 200.000 Blätter wurde einzeln angeklebt. Bis Peter Jackson gemerkt hat, dass der Baum nicht die richtige Farbe hat. Dann wurden eben alle Blätter wieder abgenommen, neu angemalt und angeklebt. Von weiter weg sieht er dafür aber auch wirklich echt aus. Am Ende der Führung durften wir im „Green Dragon“, dem Gasthaus des Hobbit-Dorfs, ein kühles Hobbit-Bier zu uns nehmen und in der Sonne genießen. Oder besser runterstürzen – bei 1.000 Besuchern am Tag bleibt nicht viel Zeit, in der Sonne unter einem Baum eine Pfeife zu rauchen, so wie ein Hobbit das vielleicht machen würde. Es kommen Besucher am laufenden Band. Nichtdestotrotz war es wirklich toll, alles in echt zu sehen 🙂 Ein Gansehautmoment.
Der nächste Stopp war Rotorua. Die Stadt am Lake Rotorua (wer hätte es gedacht 😛 ) liegt auf vulkanischem Grund. Als wir mit offenen Fenstern in die Stadt gefahren sind, wussten wir gleich, was uns hier stinken wird. Überall dampft der Boden und es stinkt einfach abartig nach faulen Eiern. So einen Gestank haben wir noch nicht erlebt. Zum Glück haben wir zum Übernachten einen See etwas außerhalb der Stadt gefunden. Hier konnten wir uns nach einem heißen Tag abkühlen und den Gestank aus der Nase bekommen 😉 Ein Maori-Dorf („Ureinwohner“ Neuseelands) konnten wir auch noch begutachten. Der See daneben hat gedampft wie ein beheiztes Außenbecken im Schwimmbad im Winter. Dabei hatten wir 30 Grad in der Sonne. Die Erde zeigt dort schon ihre große Kraft. Einen ganzen See einfach so stark zu erhitzen, dass er dampft.
Unser nächster Stopp kurz vor Weihnachten war dann Gisborne. Hier landete Captain James Cook auch. Als die Maori hier ihren traditionellen Kriegstanz aufführten, fühlte sich die Besatzung bedroht. Daraufhin schossen sie auf die Einheimischen und bekamen logischerweise keine Vorräte für ihre Weiterfahrt. Cook nannte die Bucht daraufhin „Poverty Bay“ da sie ihm nichts gab, was er benötigt hätte. So schlimm wars bei uns nicht, als wir angekommen sind. Keine Tänze, kein Feuergefecht. Wir haben eine kleine Bierverkostung bei der „Sunshine Brewery“ gemacht. Die Crafted Bier Szene hier in Neuseeland ist recht groß. Es gibt viele kleine, individuelle Brauereien. Wir hatten ein Rotbier. Franzi ein etwas weniger herbes, Lenny eins, was eine zusätzliche Reifung im Fass bekommen hat. Das gibt einen leicht rauchigen Geschmack. Sehr lecker übrigens.
Von Gisborne aus ging es zu unserer Weihnachtsunterkunft nach Tokomaru Bay. Eine sehr schöne Fahrt an beeindruckenden Stränden und Küsten vorbei. Unser Hostel hatte den passenden Namen „Stranded in Paradise“ – so haben wir uns dort auch gefühlt 🙂 In der Bucht war außer dem Hostel und ein paar Einheimischen am Strand nichts, nur noch ein kleiner Supermarkt für das Nötigste. Zum Glück haben wir aber vorher schon in Gisborne alles für unser Weihnachtsessen eingekauft. Dort im Supermarkt gings zu, als ob der dritte Weltkrieg ausbrechen würde. Weil der 25. Dezember der einzige Tag im Jahr ist, an dem hier wirklich mal was geschlossen hat, haben die Leute eingekauft wie irre. Da ist der 24. Dezember bei uns zuhause nichts dagegen. Verwirrte und verzweifelte Menschen, die sich an Schlangen anstellen, die durch den ganzen Supermarkt führen. Man könnte ja verhungern, wenn man einen Tag nicht einkaufen kann 😛
Da war unsere Unterkunft um einiges ruhiger und gemütlicher. Wir waren eine nette kleine Gruppe von zwölf Leuten, die dort Platz fanden. Am Weihnachtstag haben wir ein gemeinsames Essen zubereitet. D.h. Jeder hat etwas auf den Tisch gestellt, was er gern mochte. So ist ein schönes Buffet entstanden, das wir auf der Terrasse in der Sonne mit Blick auf den Strand genossen haben. Danach sind wir alle gemeinsam noch an den Strand zum Sonnen, Baden, Surfen und Kajak fahren gegangen. Die Abende haben wir am Lagerfeuer mit Stockbrot verbracht. Nach den drei schönen Tagen dort ist uns der Abschied schon etwas schwer gefallen, als wir weiter nach Napier und Hastings gefahren sind. Silvester werden wir in der nächstgrößeren Stadt, in Taupo, verbringen. Wir sind gespannt, wie die Neuseeländer das neue Jahr begrüßen und werden Euch berichten 🙂
Wir wünschen euch ein wunderbares neues Jahr 2016! 🙂 Wir hoffen, dass ihr alle gut reingekommen seid und schön gefeiert habt.
Cheers,
Eure Weltenbummler Lenny & Franzi 🙂






























































