Hallo ihr Lieben,

viele Grüße aus einer der sonnigsten Regionen Neuseelands, aus Nelson 🙂 Die Stadt ist super schön, durch die Sonne und die vielen Laternen-Blumen in den Straßen bekommt sie ein ganz schönes Flair. Die Neuseeländer sind hier auch so freundlich, zwei große öffentliche Parkplätze zur Verfügung zu stellen, um dort Abends zu parken und über Nacht stehen zu dürfen. Tagsüber ist es ein normaler Parkplatz, von 17 bis 8 Uhr darf man dort aber kostenlos stehen und quasi campen. Es ist schon etwas seltsam, auf einem Parkplatz zu schlafen. Morgens ab 6 Uhr kommen Säuberungskommandos, Anlieferer für die umliegenden Geschäfte, einkaufende Mütter und Einheimische, die ihrem Tagesgeschäft nachgehen. Dementsprechend wird das Angebot der Stadt, dort zu campen, von den Einheimischen auch unterschiedlich aufgenommen. Einige bleiben stehen und unterhalten sich mit den Backpackern. Dadurch haben wir uns mit ein paar Vorbeilaufenden nett unterhalten und ein paar Tipps für unsere weitere Reiseplanung auf der Südinsel bekommen. Andere Bewohner wiederum laufen kopfschüttelnd über den Platz und machen kein Geheimnis daraus, dass sie mit dem zum Campingplatz umfunktionierten Parkplatz nicht einverstanden sind. Manche sprechen die Parkenden auch direkt an, ob sie denn nicht lieber am Strand campen möchten als auf einem „ungemütlichen Parkplatz“. Neuseeländer sind nämlich immer freundlich und sagen ausschließlich durch die Blume, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Da muss man schon manchmal zwischen den Zeilen lesen. Wir sind da eher für die direkte Art. Wenn was nicht passt, dann sag es so, wie es ist. Die meisten Einheimischen haben aber nichts gegen Backpacker, solange diese keinen Saustall veranstalten und ihren Müll mitnehmen. Wir verstehen auch den Unmut einiger Leute, wenn man sieht, wie sich manche Reisende verhalten. Da werden dann zwei Parkplätze auf einmal mit Campingstühlen und Tischen belegt, eine Wäscheleine zum nächsten Baum gespannt und laut Musik gehört. So nach dem Motto „ich wohn jetzt hier“.

Die Nächte von Freitag auf Samstag waren meist nicht sehr erholsam. Das Wochenende wird gern genutzt, um mit Freunden wegzugehen oder sich in der Stadt zu treffen und etwas trinken zu gehen. Oder auch etwas mehr zu trinken. Oder noch mehr… So laufen dann meist sehr betrunkene Menschen über den zentral gelegenen Parkplatz und grölen. Scheinbar macht es auch einen Heiden-Spaß, an die Autoscheiben zu klopfen, wenn sie sehen, dass dort Vorhänge sind und Reisende im Auto schlafen wollen. Die Krönung aller Freuden ist, früh morgens hupend durch die Autoreihen zu fahren oder an den Autos zu wackeln und nachts um 4 „Aufstehen!“ zu grölen. Da wackelt das ganze Auto wie bei einem Erdbeben. Apropos, auch das haben wir hier schon mitbekommen. Es war kein großes wie 2011 in Christchurch, aber ein leichtes Ruckeln haben wir schon gespürt. Wir saßen nachmittags in einer Bibliothek, direkt an einer vielbefahrenen Hauptstraße. Erst dachten wir, ein großer LKW fährt vorbei. Allerdings hat das Ruckeln dafür zu lange angehalten. Dann hat uns ein Neuseeländer neben uns erklärt, dass das gerade ein Erdbeben war. Wir haben gleich im Internet nachgeschaut und Aufzeichnungen gefunden. Es war eine 4,7 auf der Richterskala, einige Kilometer weit weg und recht tief unter der Erde.

In Nelson haben wir ein weiteres Lieblings-Café entdeckt. Das Fenster sieht aus wie der Eingang zu einer Hobbithöhle. Das hat uns neugierig gemacht und so sind wir durch eine britische Telefonzelle eingetreten. Drinnen befindet sich ein Verkaufsladen mit allen möglichen Kleinigkeiten. Von selbstgemachter Seife über ätherische Öle bis zu gestrickten Babymützen, Puppen und Feen mit Mützen aus Nussschalen. Der Hinterhof wurde zum Feen-Café umgestaltet, mit einer Brücke über einen kleinen See. Sogar die Toilette war wie aus dem Märchenbuch. Niemals hätten wir von außen so eine andere Welt hinter der Tür vermutet. Es hat uns so gut gefallen, dass wir dort eine Weile gesessen und einen Kaffee getrunken haben. Es war sehr entspannend, einfach nur die Umgebung zu genießen 🙂

Weiter ging die Entdeckungstour durch Nelson. Dabei haben wir eine schöne Kirche entdeckt. Naja, eigentlich ist es mehr eine kleine Kathedrale. So unauffällig und versteckt sie in der Stadt liegt, so wunderschön und mit bunt verzierten Fenstern ist sie innen. Zwar nicht so groß wie in Frankreich, aber nichtsdestotrotz sehr schön 😉

Auch Nelson trägt Spuren vom „Herr der Ringe“. Genau genommen findet man hier DIE Spur des Filmes. „Der eine Ring“ wurde nämlich genau hier geschmiedet, vom Ringmacher Jens Hansen, der in Nelson seinen Laden hat. Hier kann man sich den mächtigen Ring holen, wenn man möchte. Oder man wirft einfach mal einen Blick auf den teuren und individuellen Schmuck, den er sonst so herstellt 🙂

Nelson hat auch einige schöne Parkanlagen zu bieten. Hier kann man super einen kleinen Spaziergang machen, sich an einen kleinen Teich setzen und Enten beobachten oder eine Decke zum Picknicken mitbringen. Besonders schön fanden wir den Japanischen Garten mit seinen Brücken und verwinkelten Wegen 🙂

Wir lieben Märkte und kleine Stände mit individuellen Kunstwerken und Kleinigkeiten. So haben wir uns sehr gefreut, dass hier am Wochenende ein großer Markt stattfindet. Auf dem Parkplatz, auf dem wir sonst schlafen, tummeln sich dann viele Menschen, die Gemüse, Obst und andere Dinge einkaufen oder so wie wir einfach ein bisschen durch die Stand-Reihen bummeln. Ziemlich cool war ein Texaner, der mit seinem Tapping-Instrument die Leute unterhalten hat. Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine Gitarre, hört sich aber mehr an wie eine Mischung aus Gitarre und Piano. Die Saiten werden mit dem Finger angeschlagen und nicht gezupft. Ziemlich cool, der Zeitgenosse 🙂

Ein Parkplatz ist wie schon erwähnt nicht der schönste Platz zum „Wohnen“. Ein Glück, dass Nelson am Meer liegt und einen schönen und langen Strand hat. Ein paar Mal haben wir uns nachmittags in die Sonne gelegt, wenn es nicht zu windig war. Das Wasser war auch sehr angenehm zum Baden. Auch sind wir öfters an den Strand gefahren und haben dort gefrühstückt oder abends Brotzeit gemacht. Die Kulisse ist um ein Vielfaches schöner als ein Stadtparkplatz 🙂 Inklusive herrlichem Sonnenuntergang. Am Strand konnte Lenny sich auch in Ruhe rasieren, ohne komische Blicke zu ernten 😛

Bei kleinen Touren durch die angrenzenden Wälder ist uns mehr als auf der Nordinsel aufgefallen, was so ein Wald doch an Lärm produziert. Überall sitzen Zikaden in den Bäumen und wetteifern darum, wer am lautesten ist. Lenny hat mit einer App 85 Dezibel gemessen. Das tut schon ein wenig in den Ohren weh. Es ist, als ob man ein paar Meter entfernt von einer vielbefahrenen Straße steht. Unten mal eine Audiodatei vom Lärm (Achtung, Laut!).

 

Da wir aber nicht nur zum Vergnügen in Nelson sein wollten, haben wir fleißig nach Arbeit gesucht. Das bedeutet, Internet durchforsten, rumfragen, telefonieren, weitersuchen. Das kann ganz schön deprimierend sein, wenn man nur hört, nein danke, wir suchen für die Saison keine Arbeiter mehr (die Apfel-Pflück-Saison ging wohlgemerkt erst einen Monat später los), keiner ans Telefon geht oder den Hörer nur abnimmt und ohne zu antworten gleich wieder auflegt. Wer nicht will, der hat schon. Auf unserem „Campingplatz“ haben wir von anderen Reisenden den Tipp bekommen, bei einer Beeren-Plantage anzufragen, weil dort immer wieder Arbeiter gesucht werden. Dort haben wir es auch versucht, wurden aber erst mal abgespeist mit, „Nein wir haben grad keine Arbeit, aber lasst doch mal Eure Nummer da, dann melden wir uns“. Das typische „wir melden uns dann…“, dachten wir. Deswegen haben wir weitergesucht und sind über ein paar Ecken und Geheimtipps bei einem Privatmann gelandet, der eine Birnen-Plantage besitzt. Dort angefragt meinte er, wir können gern bei ihm anfangen, er weiß nur noch nicht, wann die Ernte wirklich losgeht. Nummern dagelassen und gehofft, dass er sich auch wirklich meldet.

Ein paar Tage später haben wir dann tatsächlich einen Anruf von der Beeren-Plantage bekommen und durften dort anfangen. Eine Erfahrung, die nun ja, sagen wir, sie war es wert, gemacht zu werden. Kurz gesagt waren es drei Tage harte Sklaven-Arbeit. Den ganzen Tag in gebeugter Haltung Tomaten, Bohnen oder Kürbisse ernten und auf Abruf bereit stehen. Also morgens eine SMS, ob es Arbeit gibt oder nicht. Oder eben keine SMS, je nach Laune des „Chefs“. Dafür bekommt man dann nicht mal den Mindestlohn. Ja, es gibt eigentlich einen gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststundenlohn, der auch keine Ausnahme erlaubt. Ganz geniale Plantagen-Besitzer umgehen das Ganze aber, indem sie nicht nach Stunden, sondern nach geernteten Kilogramm bezahlen. Da ist das Resultat natürlich ernüchternd, so schnell kann man Bohnen gar nicht pflücken, um auf den Mindeststundenlohn zu kommen. Arbeitszeiten werden auch nicht festgehalten. Nachweisen, wie lange man eigentlich gearbeitet hat, wird also schwierig. Leider ist das Gang und Gäbe hier, weil so viele Backpacker und Saisonarbeiter von den umliegenden Südseeinseln ihre Arbeitskraft anbieten. Wer da keine Lust auf Ausbeutung hat, lässt es eben und tut sich schwer, irgendetwas zu finden. Riesig war da natürlich die Freude, als wir nach drei Tagen Arbeit auf der Beeren-Plantage dann eine SMS vom Birnen-Besitzer bekommen haben, dass die Ernte am nächsten Tag losgeht 🙂 Beeren gekündigt und auf die Birnen gefreut 🙂

Unsere Birnen-Arbeit war einiges angenehmer als die Bohnen vorher. Viel rückenschonender, mit Pausen (sogar morgens und nachmittags eine kleine Pinkel-Pause), Bezahlung sogar ein bisschen über dem Mindestlohn und in einer kleinen Pflück-Kolonne von acht Leuten. Die bunt gemischte Gruppe hat super zusammengepasst. Verschiedene Altersgruppen und Nationalitäten waren vertreten, von 22 bis 60 Jahre, einheimische Kiwis, Argentinier und wir Deutsche 🙂 In Zweier-Teams haben sind wir die Reihen abgegangen und haben Birnen gepflückt, dabei Freundschaften geschlossen und uns in den Pausen nett unterhalten. Es war natürlich nicht nur Spaß, aber einfach viel schöner als die Birnen vorher.

Franzi hat sich mit ihrer neuseeländischen Pflück-Partnerin so gut verstanden, dass diese uns am vorletzten Tag zum Essen zu sich nach Hause eingeladen hat. Mit deren Partner zusammen gab es dann ein gemeinsames Abendessen, nette Gespräche und endlich mal wieder eine WARME Dusche und ein richtiges Bett. Wir haben uns gefühlt wie im Himmel und konnten unser Glück kaum fassen. So einfache Dinge werden auf einmal so viel wert 🙂 Am nächsten Tag haben uns dann andere neuseeländischen Kollegen eingeladen. Sie hatten wohl ein bisschen Mitleid, dass wir im Auto auf einem Parkplatz in der Stadt schlafen. Zusammen mit dem argentinischen Pärchen durften wir dann eine weitere Nacht in einem riesen Haus wohnen. Das Verrückte daran: Die beiden Kiwis sind am nächsten Tag für ein paar Tage weggefahren und haben uns ihr Haus überlassen. Das war schon ein witziges Gefühl, zum Abschied zu winken, nur dass wir in ihrem Haus stehen und sie ins Auto steigen.

Die Argentinier mussten am nächsten Morgen weiter. So hatten wir also ein riesen Haus mit großem Grundstück ganz für uns allein. Die Zeit haben wir genutzt, um unsere weitere Reise zu planen und ein bisschen zu entspannen. Weiter geht’s jetzt dann Richtung Abel Tasman National Park, weiter im Westen der Südinsel. Dort wollen wir ein paar Tage wandern gehen und eine Kajak-Tour machen. Nach vier Wochen in einer Stadt freuen wir uns sehr darüber, wieder neue Dinge zu sehen und zu erleben. Jetzt ist wieder Zeit zum Traveln 😉

 

Bis dahin, liebe Grüße aus Neuseeland,

Eure Weltenbummler 🙂

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